Denken, Kreativität und Lernen entstehen aus Erfahrung. Wenn wir etwas erfahren, bringen wir Informationen in unser System und bauen so unsere neuralen Netzwerke auf. Diese gestatten uns, die jeweilige Information so zu nutzen, dass wir die Welt besser verstehen und lernen uns in Ihr zu entwickeln.
Kinder erfahren die Welt überwiegend sinnlich durch Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen. Sehr behutsam ist darüber hinaus der sensorische Input, der uns über Schwerkraft und Bewegung, über die Muskelbewegung und unsere Position im Raum informiert. In einer Langzeitstudie wurden in New York 133 Personen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter begleitet. Es stellte sich heraus, dass drei wichtige Faktoren Fähigkeiten im Erwachsenenalter entscheidend mit bedingen.
1. Ein sensorisch anregendes Umfeld, sowohl im Freien, als auch
drinnen.
2. Die Freiheit, die Umgebung mit wenigen Einschränkungen erkunden zu können.
3. Die Anwesenheit von Personen, die Fragen der Kinder beantworten.
( aus: Dr. Mammerford, Carla; Bewegung: Das Tor zum Lernen )

Kinderspiele verlagern sich immer mehr von draußen nach drinnen. Spielten die Kinder früher überwiegend im Freien, so findet man heute die Kinder hauptsächlich in der Wohnung. Dies ist u. a. auf die immer größere Zahl von Autos zurückzuführen, die mehr Raum und Parkplätze beanspruchen. Spielen auf der Straße ist durch den Autoverkehr zu gefährlich geworden.
Früher trafen sich die Kinder unterschiedlichen Alters ohne große Verabredungen auf der Straße, freien Höfen oder Parkplätzen. Dort spielten sie gemeinsam alte und neue Spiele wie Ballspiele, Gummitwist, Hüpfspiele, Verstecken usw. Die Spielregeln wurden von den älteren an die jüngeren Kinder weitergegeben.
In diesen Spielgruppen wurde ständig soziales Verhalten geübt. Absprachen wurden getroffen, Regeln mussten eingehalten werden, es musste Rücksicht genommen werden. Dies geschah ohne Anleitung eines Erwachsenen, denn die Straße war das Reich der Kinder. Die Spielgruppen trafen sich bei Wind und Wetter auf der Straße, denn die Kinder hatten keine Alternative.
Straßenspiele sind auch immer Bewegungsspiel. Die sind in der Wohnung erst recht nicht möglich. Denn in den heutigen Wohnungen haben die Kinder nicht genügend Platz, oft ist das Kinderzimmer der kleinste Raum. Dazu sind die Kinderzimmer mit Möbeln und Spielzeug so voll gestellt, dass kreatives Spielen kaum möglich ist.
Vielleicht haben gerade deswegen die Medien Einzug in unsere Kinderzimmer gehalten. Fernsehen, Video und Computerspiele benötigen nicht viel Platz. Sie bieten aber nur Erfahrungen aus zweiter Hand, verhindern Bewegung und belasten die Sinne einseitig. Den Kindern fehlt vor allem die Bewegung und die mit ihr verknüpften Fähigkeiten. So verfügen Kinder nicht mehr über so viel Kraft in den Armmuskeln, haben Gleichgewichtsprobleme und einen unsicheren Laufstil ( wie eine Untersuchung von Kinderunfällen ergab ). Hinzu kommen Rückenschäden und Fußdeformationen. Nicht zuletzt leiden 30% aller Kinder an Übergewicht und 40% an Herz- und Kreislauferkrankungen.
Aber nicht nur die gesundheitlichen, sondern vor allem die sozialen Schwierigkeiten der Kinder bereiten uns in Kindergärten und Schule Probleme. Da gibt es aggressive Kinder, die keine Verantwortung für ihr Tun und dessen Folgen übernehmen können. Sie sind nicht in der Lage, Grenzen anzuerkennen und selbstständig zu arbeiten. es gibt auch Kinder, die unsicher und zurückgezogen in ihrem Schneckenhaus leben, sie trauen sich nichts zu und haben kaum Kontakt zu anderen.
All dies sind Folgen einer veränderten Umwelt. Die kindlichen Bedürfnisse bleiben dennoch bestehen: Bedürfnisse nach Freiheit und Autonomie, nach Möglichkeiten, kreativ tätig zu sein und Materialien zu finden, die eine Umsetzung der eigenen Fantasie und Interesse ermöglichen.
( aus dem Buch: Kinder unter dem Blätterdach )
Waldkindergärten
sind einerseits ganz normale Kindergärten. in denen Kinder spielen, lernen,
basteln. toben, singen und vieles mehr. Andererseits unterscheiden sie sich von
Regelkindergärten dadurch. dass der Waldkindergarten bei Sonne, Wind und Wetter
draußen im Freien stattfindet. Lediglich bei extremer Witterung wird ein
Schutzraum aufgesucht.
Ziele
des Waldkindergarten Weilheim?
1. Jahreszeitlicher
Rhythmus
Wir
erleben die Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter in ihren
unterschiedlichen Qualitäten. Wir beobachten die Sonne und die dunklen Wolken am
Himmel. Wir warten auf einen Regenguss, hüpfen im Herbst in raschelnde Blätter
und rutschen im Winter den Schneehang hinunter. Wir bringen Fragen auf, wie
z.B. Wo sind die Vögel im Winter, wer hält Winterschlaf, von wem stammen die
Spuren im Schnee? Warum verändert sich der Bach und wohin führt die
Ameisenstraße? Zusammen mit den Kindern werden Themen gesucht und erarbeitet,
wie z.B. „Tierkinder im Frühling“, „An Teich und Tümpel“ und „Rund um den
Apfel“…
2. Bewegung
Für
unsere Kinder gibt es kaum etwas schöneres, als sich draußen ohne Zeitdruck und
Einengung bewegen zu können. Das weiß jeder, der sich an seine eigene Kindheit
erinnert. Wir ermöglichen den Kindern, viele dieser Dinge auszuprobieren:
Bachwanderungen, Entdeckungstouren quer durch den Wald, Kräfte messen
untereinander, auf Bäume klettern, Wiesenroller machen und noch vieles mehr.
3. Die fünf
Sinne
Die
Natur bietet uns Sinnesreize in vielfältiger Weise. Jeder Stock hat eine andere
Oberfläche. Modriges Holz riecht anders als frisch geschlagenes. Das Moos auf
dem Waldboden ist weich. Die Schritte im Laub sind hörbar. Der Waldboden dampft
nach einem Sommerregen. Die Blumen und tausenderlei Gräser veranlassen zum
genauen Hinsehen. Wie gut schmeckt der heiße Tee und das Brot draußen im Wald.
Diese Eindrücke prägen sich tief in das Gedächtnis der Kinder ein.
Darüber hinaus bietet sich den Kindern in unserem Waldkindergarten die
Möglichkeit, mit Tieren und Pflanzen vertraut zu werden. Kinder lernen anders
als Erwachsene. Sie wollen sehen, berühren und erleben, eine Beziehung zum
Gegenstand ihres Interesses aufbauen. Dann fallen Sachinformationen auf einen
fruchtbaren Boden. Das Kind nimmt seine neugierige, fragende Grundhaltung mit
in die Schule.
4. Verweilen
können
Ein
Kennzeichen unserer Zeit ist es, „keine Zeit“ zu haben, von einem Termin zum
anderen zu hetzen, mit dem Kind an der Hand oder im Auto. Wichtige Termine in
einem verplanten Alltag- was sind dagegen eine Baumwurzelhöhle, die zum
täglichen Spielen und Entdecken anregt, das Beobachten einer Ameisenstraße, das
Steinchensammeln am Wegesrand, die Ruhe, wenn „Herr Eichhorn“ den Weg kreuzt
oder Bachläufe im Regen bauen?
5. Umgang
mit verschiedenen Materialien
Grundsätzlich
braucht ein Kind für seine gesunde Entwicklung kein besonderes, vorgefertigtes
Spielzeug. Für ein Kind ist alles Spielzeug, was es in seiner Umgebung
vorfindet: Ein umgekippter Baumstamm dient als Ladentisch. Tannenzapfen,
Blätter, Rindenstückchen und Federn verwandeln sich in Ware, die dort im
Rollenspiel angeboten wird. Ein Ast wird zum Erdbohrer und eine große Rinde
wird zum Schiffchen.
6. Soziales
Miteinander
Wir
finden es wichtig, in unserem Kindergartenalltag den Kindern Vertrauen und
Wertschätzung entgegenzubringen: Anderen helfen, Rücksicht nehmen und
Verständnis zu haben. Beim Händewaschen warten, bis man an der Reihe ist. Bei
Konflikten dem Anderen zuhören, trösten und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten
finden (Kinderkonferenzen mit „Quasselstock“). Waldkinder erlernen schnell den
achtsamen Umgang mit Tieren und Pflanzen im Wald.
7. Elternarbeit
Während
eines Kindergartenjahres stellen wir mit den Kindern gemeinsam Themenpläne
zusammen, die dann am schwarzen Brett im Bauwagen aushängen. Einmal im Jahr
starten wir eine Elternumfrage zu Themen, Wünsche und Kritik an die
Kindergartenarbeit. Mindestens einmal im Jahr bieten wir Elterneinzelgespräche
im Bauwagen an. Für Fragen zwischendurch werden die „Tür- und Angelgespräche“
genutzt. Zweimal im Jahr findet ein Elternabend im Bürgerhaus in Weilheim
statt. Die Mitarbeit der Eltern ist besonders in einem Kindergartenverein sehr
wichtig: Städtlefest und Adventsmarkt, Wassersack- und Putzdienste (ca. 2x im
Jahr), Kuchen- oder Salatspenden an Oster- Herbst- und Laternenfesten im Wald
und natürlich Arbeitseinsätze direkt vor Ort (Rasen mähen, Rindenmulch
auffüllen,…)
(Quelle:
u.a. „Der Waldkindergarten“ von Ingrid Miklitz)
